WEIHNACHTSORATORIUM AN SECHS TAGEN
Jauchzet, frohlocket, auf preiset die Tage
In der ausgesparten heiligen Zeit zwischen Christnacht und Dreikönig bekamen Vaihingens Bürger ein außergewöhnliches Geschenk; und so war unsere Stadtkirche (gut beheizt!) an den 6 aufeinanderfolgenden Sonn- und Feiertagen besetzt bis auf den letzten Platz.
Alle Altersgruppen waren da präsent - angefangen von den Kleinsten, deren Mütter oder Väter musikalisch mit im Einsatz waren, über die jungen Sänger des Kinderchors, bis hin zu den Alten, die schon oft im Leben Bachs Weihnachtsoratorium gehört und gesungen hatten.
Doch so, wie es hier nun - unter dem begeisternden Dirigat von Gabriele Timm-Bohm! - stattfand wohl eher selten.
Üblicherweise wird das „WO“ ja in zwei Portionen geboten, Teil I-III, oder IV-VI; denn ein Unternehmen wie dieses hier in Vaihingen fordert nicht nur von den Sängern einen enormen Idealismus und Durchhaltevermögen, sondern ist auch sehr, sehr teuer:
6 mal kommen hochkarätige, oft auswärtige Solisten und Instrumentalisten frühmorgens, mit Einspielprobe voraus zum Einsatz, um dann in Hochform ihr Bestes zu geben. Chor, Jugendkantorei und Kinderchor wirken ehrenamtlich, aus Begeisterung „mit herrlichen Chören“ mit. Das Gehalt der Profi-Musiker aber lässt sich nicht durch Kollekten abdecken. Daher soll auch hier ein großes Dankeschön an den „Freundeskreis für Kirchenmusik“, den Bezirksbeirat, der LBBW und an alle weiteren Sponsoren nicht fehlen!
All dies miteinander machte es also möglich, dass das Weihnachtsoratorium bei uns einmal so aufgeführt werden konnte, wie es ursprünglich gemeint war: beginnend am 1.Weihnachtstag mit dem himmelstrahlenden Jubel „Jauchzet, frohlocket“.
Als dann am nächsten Tag die „Hirten in derselbigen Gegend auf dem Felde“ besungen wurden, wurde es auch in Vaihingen klirrend kalt. In der Silvesternacht überzog sogar noch eisige Glätte die Strassen, so dass am 1.1.09 alle, die sich nach kurzem Schlaf wohlbehalten in der Stadtkirche einfinden konnten, das „Fallt mit Danken, fallt mit Loben...“ vielleicht ebenso doppelsinnig dankbar wie ich sangen oder hörten.
Was für ein Geschenk, dass J. S. Bachs großer Weihnachtslobgesang so erfüllt und gelungen musiziert werden durfte, gerade in dieser Zeit, wo „im jüdischen Land, in der Stadt Davids“ blutige Kriegsgräuel alle Hoffnung auf Frieden zunichte machen – dass diese Musik, eingebettet in den Vollzug der Gottesdienste durch Pfarrer, Gemeinde und Musiker, hier von so vielen Menschen gemeinsam erlebt werden durfte!
In den standing ovations am Ende wurde deutlich, was alle hier wohl gemeinsam empfunden haben: ein großes Lob und Dankbarkeit für dieses Erlebnis, verbunden mit der Hoffnung auf Erfüllung der Weihnachtsverheißung - in uns selbst und in der Welt.
Christiane Gollwitzer

